November auf Sardinien – Gedanken

Ihr Lieben Verliebten, der November auf Sardinien kündigt sich mit warmem Licht und einem Meer an, das auf Sardinien immer noch zum Baden einlädt. Die Hochzeitssaison auf der schönsten Insel im Mittelmeer ist merklich vorbei. Und während hinter den Alpen längst die Heizungen laufen, liegt über Sardinien noch dieses weiche, warme Licht, das die Tage ein wenig länger erscheinen lässt. Das Meer lädt mit 24 Grad immer noch zum Baden ein und wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, der Sommer wolle sich noch nicht verabschieden.

Aber, der Oktober geht zu Ende. Die Uhren sind umgestellt, die Tage werden kürzer, und langsam verändert sich der Rhythmus auf der Lieblingsinsel. Es wird stiller. Auch in mir, denn manchmal gibt es Zeiten, in denen man das Gefühl hat, das Leben rauscht einfach an einem vorbei. Ein schwerer Abschied von einem feinen Menschen, wirklich innehalten geht nicht, so vieles will erledigt, entschieden und ausgehalten werden. Man funktioniert, kümmert sich, macht weiter. Und irgendwann fragt man sich: Ist das alles richtig, was ich tue? Bin ich noch auf meinem Weg? Was ist es eigentlich, das mir wichtig ist?

Vielleicht kommen diese Fragen jetzt, am Übergang vom Oktober in den November, weil die Natur sich verändert und man selbst ein wenig langsamer wird, werden möchte? Die langen, hellen Sommertage liegen hinter uns. Die Abende werden ruhiger. Und mit der Ruhe finden Gedanken zu uns, für die im Alltag oft kein Platz war: Gedanken an all das, an offene Fragen, an Dinge, die sich verändern müssen. Aber auch an das, was bleibt und was uns am Ende trägt.

Der November auf Sardinien riecht nach Fenchel und Erde

Und dann, in diesem, ja ich gebe zu etwas schwermütigem Mood, hatte ich plötzlich Lust, aufs Mountainbike zu steigen und die Gegend zu erkunden. Ohne großen Plan, losfahren und sehen, wohin mich der Weg führt. Das Badezeug im Gepäck, für den Fall, dass mich das Meer mehr lockt als die nächste Kurve und dass ich vielleicht doch noch schnell in die glasklaren Fluten steigen möchte.

Auf dem Weg durch die Gärten im Umland von Orosei zeigt sich der Herbst von seiner ganz eigenen Seite. In sorgfältigen Reihen steht das Wintergemüse: Salat, Fenchel und alles, was jetzt in die Erde kommt und in den kommenden Monaten wachsen wird. Gleich daneben tragen die Orangenbäume ihre Früchte, die sich langsam von grün zu orange verfärben. Sie scheinen zu warten, auf ihre Zeit, auf das was bald kommen wird. Die Granatäpfel hängen an den Bäumen, oft schon aufgeplatzt zeigen sie ihre knallroten Kerne und erinnern daran, dass auch sie noch geerntet werden möchten.

An den Weinreben hängen noch die letzten Trauben, während sich die Blätter bereits färben. Vermentino, Cannonau, Monica und Malvasia liegen in ihren Bottichen und reifen. Wer Glück hat, findet noch ein paar vergessene Trauben an den Reben, herrlich süß.

Überall wachsen jetzt die Artischocken. Nicht mehr lange, dann können wir die ersten zarten Knospen schälen, fein raspeln, mit Olivenöl Extra Vergine der neuen Saison beträufeln, mit feinen Raspeln Pecorino bestreuen und genießen. Und in der warmen Herbstluft liegt dieser unverwechselbare Duft von wildem Fenchel, während die Pflanzen ihre kleinen gelben Blüten in den Himmel strecken. Nicht zu vergessen die Sonnenaufgänge: Wenn der Tag ganz langsam über dem Meer erwacht und das erste Licht die Landschaft in warme Farben taucht, möchte man am liebsten einfach stehen bleiben und zuschauen.

In den Olivenhainen ist allerlei los, bei der Olivenernte sind Jung und Alt draußen in der warmen Nachmittagssonne. Manche stehen auf ihren alten Stühlen und reichen weit in die Zweige, andere sammeln die Oliven in den Netzen und bringen sie zur Mühle. In diesem Jahr scheint es eine gute Ernte zu geben. Wer weiß, vielleicht wird aus diesen Oliven das Olivenöl, das meine Brautpaare ihren Gästen im nächsten Jahr als kleines Geschenk zur Trauung mitgeben. Ein paar Tropfen von dieser wunderbaren Insel, in denen Sonne, Erde und die Arbeit vieler Hände stecken. Eine schöne Erinnerung an Sardinien, die man nicht nur anschauen, sondern gemeinsam genießen kann.

Vielleicht ist genau das der Unterschied, den ich heute wieder so deutlich spüre und vielleicht auch brauche: Hier wird nicht alles sofort fertig und auf den Punkt gebracht. Die Dinge brauchen ihre Zeit: die Oliven, der Wein, das Wintergemüse, ein Weg durch die Landschaft. Und manchmal braucht auch ein Mensch Zeit, um zu merken, was er eigentlich fühlt.


Sardinien – eine Insel, die dem Leben einen anderen Takt vorgibt

Ich lebe seit mehr als 25 Jahren auf Sardinien. In dieser Zeit ist die Insel für mich viel mehr geworden als ein schöner Ort am Meer. Sie ist Heimat. Ich kenne ihr Licht und ihren Wind, die Wege, die stillen Buchten und die Plätze, an denen ich gern kurz stehen bleibe. Ich kenne auch ihren eigenen Rhythmus und weiß, dass man hier nicht immer alles nach der Uhr richten kann.

Sardinien ist eine Insel aus Erde und Stein. Der Granit liegt offen in der Landschaft, geformt vom Wind und von der Zeit. Wenn ich mit dem Hund draußen unterwegs bin, spüre ich dieses Feste unter mir: den Boden, die alten Felsen, die Hügel, die nicht weggehen, nur weil ein Tag oder eine Zeit schwierig ist. Das bedeutet nicht, dass das Leben hier leichter wäre oder dass eine Insel alle Antworten bereithält. Aber manchmal hilft es, an einem Ort zu sein, der einen daran erinnert, dass nicht alles im nächsten Augenblick entschieden werden muss.

Vielleicht halte ich Sardinien deshalb für einen so besonderen Ort, um sich das Ja-Wort zu geben. Nicht allein wegen des Meeres und der Landschaft, so schön sie sind. Sondern weil die Insel dazu einlädt, langsamer zu werden und wirklich anzukommen. Man steht nicht einfach irgendwo, spricht ein paar Sätze und fährt dann wieder weiter. Man kann den Ort wahrnehmen, fühlen, den Wind auf der Haut spüren, den Boden unter den Füßen, den Sand zwischen den Zehen, das Licht, das sich verändert. Man kann, nein man soll sich die Zeit nehmen für das, was man einander sagen möchte. Gerade bei einem so wichtigen Versprechen zwischen zwei Menschen.

Für mich gehört das zu einer Hochzeit: nicht nur der äußere Ablauf, sondern auch die Möglichkeit, in diesem Augenblick wirklich da zu sein. Zwei Menschen entscheiden sich füreinander. Sie wissen nicht, was das Leben für sie bereithält. Sie können nicht jede Kurve und jeden Umweg vorhersehen. Aber sie wollen ihren Weg miteinander gehen. Eine solche Entscheidung verdient einen Moment, in dem man sie nicht nur festhält, sondern auch fühlt in jeder Zelle seines Körpers.


Für Paare, die Sardinien schon kennen und für die, die etwas anderes suchen

Es gibt Menschen, die Sardinien schon kennen. Sie waren vielleicht immer wieder hier, haben ihre Lieblingsorte, kennen die Wärme des Nachmittags und wissen, dass die Uhren auf der Insel ziemlich anders gehen. Sie müssen nicht mehr davon überzeugt werden, wie schön Sardinien ist. Sie wissen, wie es sich anfühlt, hier zu sein.

Und es gibt Paare, die aus einem Alltag kommen, in dem vieles schnell gehen muss. Termine, Nachrichten, Entscheidungen, Erwartungen alles ist ständig in Bewegung. Vielleicht wünschen sie sich für ihre Hochzeit einen Ort, an dem sie aus diesem Takt heraustreten können. Einen Tag, der nicht noch eine weitere große Veranstaltung ist, die perfekt ablaufen muss, sondern ein Tag, an dem sie sich auf das Wesentliche konzentrieren dürfen: aufeinander.

Ich denke dabei nicht an eine Hochzeit, die vor allem zeigen soll, wie außergewöhnlich sie war. Natürlich sind schöne Bilder wunderbar. Ich freue mich, wenn ein Foto später das Licht, die Freude und die Landschaft wieder hervorholt. Aber das Bild kann nur festhalten, was in diesem Moment wirklich da war. Die Tiefe entsteht nicht durch die Kulisse und nicht dadurch, dass möglichst viel arrangiert wird. Sie entsteht, wenn die Menschen, die sich lieben, wirklich in ihrem eigenen Augenblick ankommen.


Auch eine standesamtliche Trauung kann tief berühren

Das gilt für eine freie Trauung und genauso für eine standesamtliche Hochzeit. Der offizielle Teil hat seine Form, seine Worte und seinen rechtlichen Rahmen. Aber er muss sich nicht wie ein bloßer Termin anfühlen, gerade auch weil viele der Orte für eine Trauung hier ganz viel zu sagen haben. Eine Geschichte leise flüstern. Denn hier kann auch eine standesamtliche Trauung ein sehr persönlicher Moment werden wenn das Paar sich bewusst macht, was es da gerade miteinander beginnt, und wenn der Ort nicht austauschbar ist, sondern seit vielen Jahrhunderten Glück und Segen verspricht.

Vielleicht ist es ein heller Raum mit alten Mauern, ein Garten, ein 4000 Jahre alter Baumriese der mehr gesehen hat als wir uns vorstellen können. Ein Platz mit Blick auf die Landschaft oder ein stiller Augenblick nach der Trauung, wenn man einander erst einmal in die Arme fällt. Nicht jeder Moment braucht ein großes Programm. Manchmal reicht es, nach den offiziellen Worten kurz innezuhalten und zu begreifen: Jetzt sind wir hier. Jetzt haben wir Ja gesagt.

Ich begleite Paare bei freien und standesamtlichen Trauungen, bei erneuten Eheversprechen nach vielen Jahren und vielleicht schweren Zeiten. Und ich freue mich, wenn mich meine Paare teilhaben lassen, an dem, was hinter dem Ja steht: die Geschichte dieser zwei Menschen, das, was sie miteinander verbindet, und die Art, wie sie diesen Anfang erleben möchten. Die Insel kann dafür einen Rahmen geben, der nicht überladen ist. Sie ist einfach da, mit ihrer Erde, ihrem Meer, ihrem Wind und ihrer Weite.

Ein Anfang, der sich nach euch anfühlt

Vielleicht kommen mir diese Gedanken gerade jetzt, während der Oktober zu Ende geht. Ich sehe, wie die Insel sich verändert, wie die Ernte eingebracht wird, wie manche Orte wieder still werden. Ich fahre weiter mit dem Rad durch die Gärten, sehe die reifenden Orangen und die Menschen in den Olivenbäumen. Und ich merke: Das Leben besteht nicht nur aus den großen Entscheidungen und den schweren Fragen. Es besteht auch aus solchen Wegen, aus dem Duft des Fenchels, aus warmem Meerwasser und aus einem Nachmittag, an dem man einfach hinausfährt, weil man Lust dazu hat.

Vielleicht bedeutet mir meine Arbeit deshalb so viel. Weil ich daran glaube, dass es im Leben Augenblicke gibt, die ganz und gar wahr sind. Zwei Menschen, die sich füreinander entscheiden. Ein Ort, an dem sie sich wirklich verbunden fühlen. Ein gemeinsamer Anfang, der nicht für andere inszeniert werden muss, sondern sich für sie selbst richtig anfühlt.

Sardinien ist für mich Heimat. Es ist keine Kulisse, die man für einen Tag aufstellt und danach wieder vergisst. Die Insel ist Teil meines Lebens geworden. Und vielleicht kann sie auch für andere Paare zu einem Ort werden, an dem sie nicht nur heiraten, sondern ihre Verbindung auf eine besondere Weise erleben mit beiden Füßen auf der Erde und dem Blick weit über das Meer.

Ein paar Gedanken zum Ende des Oktobers.

Willkommen, November. Sei freundlich zu uns.

Ci vediamo – bis bald auf Sardinien, schreibt mir..

Eure Anja

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Verfasst von

Herz & Kopf von Sardinia DreamWedding. Hochzeits- und Eventplanung auf Sardinien. Ich liebe Sardinien und alles was damit zu tun hat, sein Menschen, seine Kultur, Flora und Fauna, seine fantastische Küche. Meine Steckenpferde: feine und ganz besondere Events organisieren, Tiny Living, meine Katzen, Hunde, Pferde, lesen, kochen. Danke dass Ihr hier seid. Ci vediamo in Sardegna ❤

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